Unscheinbarer Held – die Hornhaut!

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Betrachtet man die Hornhaut (Cornea) im Vergleich zum gesamten Augapfel erscheint sie eher unauffällig und nur ein kleiner Teil des Auges zu sein. Doch der Schein trügt, denn unsere Hornhaut leistet Großes und trägt einen sehr wichtigen Beitrag zu unserem klaren Sehen bei. Mit einer Brechkraft von +43 Dioptrie (dpt), übernimmt sie den Hauptanteil der Lichtbrechung zur Bildfokussierung (insgesamt hat das Auge eine Brechkraft von etwas 60 dpt).

Was ist die Hornhaut eigentlich?
Die Hornhaut ist der äußerste frontale Abschluss des Auges und Teil der äußeren Augenhaut. Sie wird von unseren Lidern und Tränendrüsen ständig mit Tränenflüssigkeit benetzt und versorgt und ist im Normalfall glasklar. Auch als „Fenster des Auges“ bezeichnet, ist sie ein rundes Scheibchen, das von der Lederhaut abgegrenzt wird. Sie besteht aus mehreren Schichten, wobei das Stroma etwa 90% der Hornhaut ausmacht. Erst 2013 wurde die Dua-Schicht, eine nur 15 µm dicke, aber sehr belastbare Membran, zwischen Stroma- und Descemet-Membran, entdeckt.

Schichten der Hornhaut

Brechkraft -/+
Die Hornhaut ist eigentlich in ihrem Zentrum dünner (etwa 0,52 mm) als am Rand (etwa 0,67mm), wäre also eigentlich eine Minuslinse (Zerstreuungslinse). Dadurch, dass sich jedoch in der dahinter gelegenen vorderen Augenkammer Wasser befindet, kommt es zu der hohen positiven Brechkraft (+43 dpt). Ist der horizontale und der vertikale Radius ungleichmäßig verschoben, spricht man von einer Hornhautverkrümmung (Astigmatismus).

Stoffwechsel der Hornhaut
Unsere Cornea ist stark von äußeren Einflüssen abhängig, wenn es um die ständige Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff geht. Das übernimmt im äußeren Bereich die Tränenflüssigkeit (vor allem Sauerstoff) und im inneren das Kammerwasser (vor allem Nährstoffe). Einzig im Randbereich befindet sich das sogenannte „Randschlingennetz“, welches den äußersten Rand der Hornhaut direkt mit Glucose (Zucker) und Sauerstoff versorgen kann. Die Versorgung und der Abbau der Glucose ist wichtig und kann, wenn der Kreislauf gestört ist, zu einer Trübung der Hornhaut führen.

Korrekturen erkrankter Hornhaut
Angeborene oder auch erworbene Fehlsichtigkeiten (Astigmatismus) können bis zu einem gewissen Grad mittels refraktiver Chirurgie (z.B. SMILE-Methode oder Femto LASIK) korrigiert werden. Hier kommt es vor allem auf die Dicke und Stabilität der Hornhaut an. Hohe Fehlsichtigkeit kann mittels künstlicher torischer Linsen korrigiert werden. Hierbei wird die Hornhaut nicht abgetragen, sondern das Brechungsverhalten mittels entsprechender Wölbung der künstlichen Linse beeinflusst.

Auch weitere Hornhautdystrophien können mittlerweile gut behandelt werden. Eine häufige Anomalie der Hornhaut ist der Keratokonus, eine kegelförmige Wölbung infolge einer Verdünnung der Hornhaut, die zur starken Fehlsichtigkeit führt.

Handelt es sich um eine solche Erkrankung der Hornhaut, gibt es die Möglichkeit einer Hornhauttransplantation. Dabei wird das erkrankte Gewebe durch ein geeignetes Spendermaterial ersetzt, oder ein gesundes Hornhautscheibchen wird auf die Hornhaut des Patienten aufgenäht.

Fazit
Die Hornhaut ist ein wichtiger Bestandteil unseres Auges und des Sehens. Wir können durch gesunde Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr eine gute Basis schaffen, dass unsere Hornhaut lange in Form bleibt und ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird. Kommt es zu Problemen oder Veränderungen der Hornhaut, bzw. auch bei angeborenen Hornhautanomalien, gibt es mittlerweile gute Behandlungsmöglichkeiten.