Unsere Augenlider

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Sie sind ständig in Bewegung, der Mechanismus funktioniert ganz unbewusst und es steckt mehr dahinter als man glaubt.

Während man beim Augenzwinkern die Lider absichtlich bewegt, findet der Lidschlag, oder das sogenannte Blinzeln, unbewusst statt.

Der natürliche Lidschlag passiert im Durchschnitt zwischen 10 und 15 Mal in der Minute, das kann aber auch variieren, je nachdem was für einer Tätigkeit man gerade nachgeht. Durch diesen schnellen und auch synchronen Vorgang beider Lider, werden die Augen, und hierbei vor allem die Hornhaut, mit Tränenflüssigkeit feucht gehalten, um das Sehen überhaupt erst zu ermöglichen. Ein interessanter Aspekt ist, dass die Hornhaut selber ein gefäßloser Teil unseres Sehorgans ist und dadurch den Lidschlag zur regelmäßigen Sauerstoffversorgung benötigt.

Neben der Aufgabe der Befeuchtung und Sauerstoffversorgung werden noch weitere Aufgaben erfüllt:

• Die Augenoberfläche wird beim Blinzeln entspiegelt und lässt so unser natürliches Sehen erst zu.
• Der Lidschlag dient als Schutzmechanismus bei Windstoß, oder starkem, blendendem Licht.
• Er verhindert zum größten Teil das Eindringen von Fremdkörpern in das Auge.
• Tritt doch ein Fremdkörper ein, wird er durch den Lidschlag weggewischt und unter anderem über den Tränenkanal ausgespült.

 

Was passiert eigentlich in der kurzen Zeit in der wir die Augen geschlossen haben?

Ein Lidschlag dauert im Durchschnitt zwischen 300 und 400 Millisekunden. Es entsteht zwar eine kurze Dunkelphase, doch die wird von uns nicht bewusst wahrgenommen. Die im Gehirn zuständigen Bereiche unterdrücken immer kurz vor dem Blinzeln die visuelle Wahrnehmung und verhindern somit die aktive Erfassung dieser Phase.

Interessant ist auch, dass wir unser Blinzeln unbewusst steuern und offenbar den jeweiligen Tages-Situationen anpassen. So blinzeln wir weniger, wenn wir z.B. am Computer sitzen (siehe auch unseren Blog-Beitrag zum Office Eye Syndrome) oder uns beim Lesen konzentrieren müssen, also viel visuelle Information aufnehmen wollen.

Japanische Wissenschaftler um Tamami Nakano von der Universität Tokyo haben herausgefunden, dass Menschen während eines Films meist synchron an bestimmten Stellen blinzeln, oder während des Lesens eher bei Satzzeichen. Es wird vermutet, dass das Gehirn „erreichen möchte“, so wenig wie möglich an Information zu verpassen.

In Zahlen umgerechnet, wird dieses Verhalten verständlicher: Sehen wir uns einen 90 minütigen Film an, gehen uns durch den natürlichen Lidschlag etwa 9 Minuten an visueller Information verloren. Es ist daher naheliegend, dass wir unbewusst versuchen, so wenig wie möglich an Handlung zu verpassen.

 

Was hat es mit der äußerlichen Funktion der Lider auf sich?

Augenlider haben eine sehr wichtige physiologische Funktion, sind aber auch für unser gesamtes Erscheinungsbild essenziell.

Die Augenlider werden von Muskeln gelenkt, die mit der Gesichtsmimik zusammenhängen. Sie beeinflussen unter anderem die Widerspiegelung unserer Gefühlswelt. Sind wir traurig, hängen die Augenlider, sind wir wachsam, überrascht oder freuen uns, öffnen wir die Augen. Sind wir zornig, können sich die Augenlider schon mal zu schmalen Schlitzen verengen.

Auch das Tragen von Make Up hat eine lange Tradition und kann in unterschiedlichsten Lebenssituationen ein Gefühl besser oder akzentuierend zum Ausdruck bringen. So tragen Damen eher Make Up, wenn sie in Gesellschaft unterwegs sind, Männer eher in künstlerischem performativem Umfeld. Es ist Statussymbol, Statement und Schmuck.

Kulturell gesehen ist der Lidschlag auch ein Symbol des Lebens und es ist in vielen Gesellschaften oft der letzte „Dienst“ am Menschen, die Augenlider zu schließen.

Foto: Alia Wilhelm