Wussten Sie, dass Frau und Mann unterschiedlich sehen?

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Im Laufe der Evolution entwickelte der Mensch die Fähigkeit, ein breites Farbspektrum wahrnehmen zu können. Dies brachte für die Nahrungsaufnahme und für Frauen gewisse Vorteile…

Der Mensch kann Farben dank der sogenannten „Zapfen“, die auf der Netzhaut liegen, erkennen. Wir besitzen drei unterschiedliche Typen davon. Ein Zapfen-Typ absorbiert kurzwelliges blaues Licht, die beiden anderen reagieren auf mittel- und langwelliges, also rotes bis grünes Licht. Dieses System wird als Trichromat bezeichnet.

Viele Tiere besitzen nur zwei unterschiedliche Zapfentypen, haben also auch ein eingeschränktes Farbsehen. Dies ist bei dämmerungs- oder nachtaktiven Tieren aufgrund des geringen Farbspektrums der Umgebung verständlich. Tiere, die sich beispielsweise unter Tags von Früchten ernähren, haben schon eine bessere Wahrnehmung. Hier ist gerade die Unterscheidung von Rot und Grün oft überlebenswichtig.

So hat sich auch beim Menschen im Laufe der Evolution herausgestellt, dass ein breites Farbspektrum wichtig für die Nahrungssuche ist. Das trichromate Sehen hat sich durchgesetzt, ist es auch im Genom des Menschen eine äußerst geringe Veränderung, die dazu notwendig war. Aber dieser Vorteil, so leicht er entstanden ist, kann auch wieder verschwinden. Etwa 10% der Männer und 0,6% der Frauen, leiden an einer Rot-Grün-Schwäche, können also diese Farben nur schlecht bis gar nicht unterscheiden.

Ein wenig bekannter Aspekt ist, dass auch eine positive Veränderung möglich ist. Gabriele Jordan, eine Neurowissenschafterin der Newcastle Universität in Großbritannien, fand heraus, dass es Frauen gibt, die ein viertes mutiertes Sehpigment haben. Sie sind also so genannte „Tetrachromaten“. Interessanterweise sind genau diese Frauen Töchter von farbsehgeschwächten Männern. Liegt nun dieser mutierte Zapfen auch noch an der richtigen Stelle der Netzhaut, sehen diese Frauen tatsächlich um ein vielfaches besser als andere. Sie haben einen sogenannten Supersehsinn: Farben können wesentlich besser abgestuft und unterschieden werden.

Wärend Gabriele Jordan die Häufigkeit von Tetrachromasie auf 10% schätzt, deuten neuere Froschungen auf eine höhere Häufigkeit von bis zu 25% der Menschen hin. Jedoch bildet sich, wie bereits erwähnt, trotz vier Zapfen nicht immer eine echte Tetrachromatie aus. Denn auch die Lage des 4. Zapfen ist für die weitere Bildverarbeitung wichtig.

Falls auch Sie einen Farbtest machen möchten – hier der Link dazu (Focus Gesundheit).